2006 Westafrika

Vier Wochen – 15000 km !

Goethe, Schiller, Bach und viele andere namhafte Größen hatten während ihrer Delirium Artigen Rauschzustände die besten Ideen – s a g t  m a n!

So ähnlich ging es mir an einem jener kalten Winterabende als ich nach Kroatien zu meinem langjährigen Reisepartner Darko Labas` telefonierte um ihm mitzuteilen: Weist du was – wir fahren heuer im Herbst nach DAKAR! Ich war sehr überrascht als die Antwort darauf war: OK – aber dann nehmen wir GAMBIA auch noch mit denn das ist nicht wirklich sehr viel weiter und sollte sehr schön sein! Mir war klar – er hatte auch etwas gegen die Kälte unternommen…

 

Nun kam der Frühling – damit auch die damit verbundenen Gefühle - und ich wurde mir über meinen damaligen Beziehungsstatus klar. Es war Zeit meine damalige Freundin – im beiderseitigen Einvernehmen und in Frieden – zu verlassen und im Zuge eines Motorradtreffens in Kroatien mein neues Mädel zu informieren dass sie bei meinem nächsten Abenteuertrip nach Afrika mitfahren könne. Schließlich ist es an meiner Seite als Frau nicht wirklich unbedingt leicht und sie müsse sich schon bewähren – soweit zu meinen Ausführungen.

Im Laufe des Frühsommers kristallisierte sich heraus dass noch jemand aus Innsbruck an dieser Reise teilnehmen würde , und zwar der Wille Markus der gelernter Metzger ( genauer gesagt Unfallchirurg an der Innsbrucker Klinik) ist und gegebenenfalls fähig sein sollte ein Pflaster richtig anzubringen.

Unsere Reiseroute perfektionierten wir immer wieder bei den verschiedensten int. Motorradtreffen bei denen wir uns zusammenfanden. Letztlich stand der Plan und wir einigten uns auf folgende Route:

Innsbruck – Liechtenstein – Schweiz –Frankreich – Spanien – Gibraltar – Fähre Algeciras / Ceuta – Marokko – Westsahara – Mauretanien – Senegal – Gambia und natürlich wieder retour !

Route Westafrika

Ach da war ja noch die Sache mit meiner Freundin, der Helga! Diese bekam erst zwei Wochen nach meiner Abreise Urlaub! Alles kein Problem – ich nahm einfach ihr ganzes Gebäck mit und sie flog über Madrid nach DAKAR von wo wir sie auf unserer Rückfahrt von Gambien am Flughafen in DAKAR abholten.

Meine liebe Helga ist ein Mädel aus den Bergen gewesen das bis dato zweimal im Leben eine Woche Kluburlaub in der Türkei verbrachte! Nun stand sie vor mir. Von angenehmen 23 Grad im Flieger auf unglaubliche 45 Grad vor dem Flughafengebäude – und in der Hand hatte sie – DEN HELM! Ja das war das ganze (fast ganze) Gepäck – sie hatte wohlweislich noch zwei Rollen Toilettenpapier mitgenommen! Außerdem – auch nicht ganz unwesentlich – einwenig Geld , da ich bei der Fahrt Richtung Süden in SPANIEN 460 Euro Busgeld zu berappen hatte ! Naja, fangen spielen mit der Spanischen Polizei ist halt nicht billig…

Aber nun zu unserer Fahrt :

In drei Tagen waren wir von Innsbruck aus in Gibraltar (ca. 2900 km). Da ich schon einmal mit dem Motorrad in Marokko war kannte ich mich mit den Zollformalitäten aus.

Über Rabat (eine der vier Königsstädte Marokkos) fuhren wir nach Casablanka. Beeindruckend ist der Atlantik! Wenn man von der Hauptstraße nur wenige Meter abfährt um das Meer zu sehen steht man an der Steilküste an der der Kontinent regelrecht abbricht. Zahlreiche gekenterte Schiffe gibt es an der gesamten Atlantikküste zu bestaunen und zu fotografieren! 

01 Atlantik Bei Rabat
02 Beeindruckende Atlantikkueste
03 Gestrandet An Der Atlantikkueste

So donnerten wir südwärts über El Jadida nach Safi, weiter nach Laayoune und Ad Dakhla.

Nicht ganz einfach zu finden war der Grenzübergang nach Mauretanien. Ich sage nur: RUSTIKAL!

Über eine hügelige Piste gelangt man zu einer Wellblechhütte in der sich drei –wie sollte man sagen – halbuniformierte, immer wieder Tee eingießende, in unserem Fall Haschisch rauchende Beamte einfanden. Zwei Jungs lagen am Boden und schliefen (es war zwei Uhr Nachmittag!)
Nun Frage und Antwort Spiel – woher/wohin, 10Euro für die BEAMTEN und wir hatten den Übertrittsstempel im Reisepass. Über Nouadhibou in die Hauptstadt Nouakchott und weiter zum berühmtberüchtigten Grenzübergang ROSSO .
Da wir ja die dortigen Gepflogenheiten und Abzockmanieren ausreichend im Internet etc. studiert hatten konnte „ UNS“ so etwas ja nicht passieren – dachten wir! Es kam ganz anders. Wie unzählige Reisende vor uns auch gelangten wir in die Fänge von Halsabschneidern und Strauchdieben die schlichtweg für gar alles Geld verlangten. Als Weißer ist man dort ein wandelnder Tresor den es auszunehmen gilt! Aber auch diese Hürde hatten wir gemeistert. Wir waren im SENEGAL!

Es war das Ende der Regenzeit und alles blühte, in den Bäumen hingen unzählige Vogelnester in den Tümpeln tollten die Kinder, es war wie im Paradies. Dazu eine unvorstellbare Luftfeuchtigkeit - unser Gewand war ständig nass vom Schwitzen und es gab keine Chance trotz intensiven Sonnenscheins etwas zu trocknen. In der Nähe von St. Louis befindet sich das unter Afrikareisenden bekannte Camp: ZEBRABAR. Dieses Paradies steuerten wir an und wurden auch nicht enttäuscht. Ein Schweizer Ehepaar leitet dieses in einem Naturreservat gelegene Camp und es war für uns einfach eine Wohltat deren Gastfreundschaft genießen zu dürfen. Die Motorräder wurden von uns entladen und die nähere Umgebung wie das Städtchen ST.LOUIS besucht – man kommt aus dem Staunen nicht heraus! Einst stolze Portugiesische Kolonie präsentiert sich diese Stadt in bemitleidenswert heruntergekommenen Zustand!

01 Weg Nach Dakar
02 Grenze Nach Mauretanien
03 Weg Nach Mauretanien
04 Einfahrt In Die ZEBRABAR
05 Tochter Der Zebrabarleute

Zwei Tage verbrachten wir in der Zebrabar um dann ausgeruht weiter nach GAMBIA zu fahren. Gambia wird das „Jamaika Afrikas“ genannt! Unglaublich freundliche und fröhliche Menschen begegneten uns in diesem Land und an der Grenze sprach mich ein Beamter in einwandfreiem Deutsch an! Ich staunte nicht schlecht – und auf die Frage woher er denn so gut deutsch könne antwortete er mir: Hast du zu Hause keinen Fernseher?? Na ich denke mal er studierte in Deutschland und tiefstapelte ein wenig! Wir umrundeten Gambien und ich konnte es kaum mehr erwarten meine Helga vom Flughafen in Dakar abzuholen! Endlich war es soweit! Wie schon gesagt: Helm, Toilettenpapier und Geld verstaut und los ging’s. Von Dakar aus zurück zur Zebrabar, drei Tage Urlaub machen, Biere trinken, im Senegalriver baden um dann wieder voll Saft und Kraft den Rückweg anzutreten.

01 Leben In GAMBIA
02 Flughafen DAKAR Helga Kommt
03 Unterwegs Im Senegal
04 1700km Noerdlich Von Dakar
05 Helga Sieht Den ATLANTIK

Helga machte damals mit mir ihre ersten Kilometer auf dem Motorrad fern der Heimat. Staub, Hitze, wenig Platz am Bike, schlafen unter freiem Himmel bzw. mit Nomaden in der Wüste… War es für uns Männer schon kein Zuckerlecken – für mein Mädel war es „DIE BEWÄHRUNGSPROBE“ schlechthin! Seither unternimmt sie alles nur um mit mir die Welt auf zwei Rädern zu erkunden, hat ihren Beruf gewechselt um 4-5 Wochen Urlaub am Stück bekommen zu können und verzichtet auch unterm Jahr auf so manche Annehmlichkeit nur um mit mir erneut auf Abenteuerreise gehen zu können.

Wir drei Jungs kannten den Rückweg bereits – aber meine Helga - die dieses Land zum ersten Mal sah kam aus dem Staunen nicht mehr heraus! Sie war einfach überwältigt von den Menschen denen wir begegneten, von der unglaublich schönen Natur, der Faszination der Wüste u.v.m.

01 Schlafen In Mauretanien
02 SAHARA
03 Zu Weit Hineingewagt

Als wir Ende September wieder Richtung Europa kamen und die schneebedeckten Französischen Alpen vor Augen hatten war uns schon eines klar: Im kommenden Jahr geht’s sicher wieder ganz ganz weit weg!

Und mit diesem festen Vorsatz im Hinterkopf donnerten wir mit unseren Motorrädern quer durch Europa rauf auf den eiskalten Brennerpass um in Windeseile in unser wunderschönes Innsbruck zu gelangen wo doch meine geliebte Harlybar steht und in der für uns - wie immer – ein bzw. mehrere Willkommentrinks bereitgestellt werden !