2005 Kaukasus

4 Wochen – 12000 km
Wir schreiben das Jahr 2005 ich liege auf meiner Couch und lese mir einige Motorradzeitschriften durch. Draußen schneit es und der Winter möchte einfach nicht weichen. Da geschah das völlig unerwartete - mein langjähriger Reisepartner Darko Labas` aus Varazdin (Nordkroatien) war am Telefon! Hallo Georg...hast du schon etwas vor im heurigem Urlaub?!
Poah...was nun - ich war auf solch eine Frage in dieser Sekunde völlig unvorbereitet. Vor mir lag eine Packung KAUGUMMI - und es schoss wie ein Blitz durch meinen Kopf: Darko - wir fahren heuer wieder in den KAUKASUS!

 

Wir würden uns sowieso ende Jänner beim Elefantentreffen bei Thurmansbang/Solla treffen und da würden wir Nägel mit Köpfen machen. Wir waren schon 7Jahre zuvor mit unseren Motorrädern in GEORGIEN und hatten unserem Quartiergeber hoch und heilig versprochen dass wir ihn wieder besuchen würden – nun war es soweit!

Meine Cousine arbeitete zu dieser Zeit in der Firma Swarovski in Wattens und hatte die Möglichkeit mir hochwertige Webeartikel wie Hemden, Kappen und dergleichen auf die Reise mitzugeben damit ich diese meinen Freunden die beinah am Ende der Welt lebten mitbringen zu können! Ein großer wasserdicht gepackter Sack mit einem Inhalt im Wert von ca. 800 Euro sollte mich auf dieser Reise begleiten.

Nun, das Elefantentreffen bot uns ausreichend Zeit die Route zu planen uns so beschlossen wir folgenden Weg zu befahren:

Österreich – Slowenien – Kroatien – Ungarn – Rumänien – Moldawien – Ukraine – Russland – Georgien – Armenien – Georgien – Azerbeijan – Georgien – Türkei – Bulgarien – und über den Balkan retour

Route  Kaukasus

Der Frühling und der Sommer vergingen, wir mussten zweimal nach Wien fahren um einige Visa zu besorgen und Anfang September starteten wir in unser neues Abenteuer.

Wir hatten auf dieser Reise nicht „so“ viele Kilometer herunter zu spulen und so blieb etwas mehr Zeit die eine oder andere Sehenswürdigkeit die am Weg lag zu besuchen und zu fotografieren. Das Drakulaschloß in Ostrumänien in BRAN, die Hauptstadt Moldawiens – Chişinău, die Halbinsel Krim in der Ukraine und natürlich blieb genügend Zeit um die Gastfreundschaft unserer Reisebekanntschaften genießen zu können.
Unseren Informationen zufolge sollte es möglich sei nach Georgien auch von Nordosetien aus einzureisen. So steuerten wir unsere Motorräder Richtung VLADIKAVKAZ um dort zu erfahren dass dieser Grenzübergang nur für Russen und Georgier geöffnet sei. Mitglieder eines in Vladikavkaz ansässigen Motorradklubs erfuhren von der Anwesenheit westlicher Biker und machten sich auf die Suche nach uns. So geschah es, dass wir von den BJELOW PANTERI (Weiße Panther) überredet wurden deren Gäste zu sein – essen-schlafen-saufen – natürlich inbegriffen, schließlich und endlich seien wir die allerersten Biker aus dem Westen die sie je in dieser gottverlassenen Gegend gesehen hätten!
So lernten wir einen Judoolympiasieger der dort wohnhaft war kennen, den Polizeichef und andere namhafte (warum auch immer) sehr reiche Menschen! Den Kontakten dieser Jungs hatten wir es zu verdanken, dass wir dann an einem Sonntag für Darko das Visa verlängern konnten denn wir mussten um nach Georgien zu gelangen wieder retour an die Schwarzmeerküste nach SOCI fahren was unseren Zeitplan doch gehörig durcheinanderbrachte. Mein Magen litt aufgrund des monströsen Vodkakonsums sehr und so musste ich am Weg nach Soci des Öfteren stehenbleiben um meinen Mageninhalt zu entleeren! Wir werden diese Jungs die da im Nordkaukasus leben und das Leben von harten Bikern praktizieren nie vergessen und sie immer lobend erwähnen!

01 Schloss Von Graf Drakula Rumaenien
02 Grenze Nach MOLDAVIEN
03 Auf Der KRIM
04 Weg Nach SUEDOSETIEN
05 Grenzuebergang Russland Georgien
06 Russischer Hafen
07 Abenteuerliche Schiffsauffahrt

In SOCI angekommen suchten wir erst mal den Hafen und machten uns schlau wie denn die Überfahrt per Schiff nach GEORGIEN für uns möglich sei – alleine darüber könnte man beinah ein Buch schreiben – aber wir schafften es alle Infos und die Tickets zu bekommen und hatten dann sogar noch etwas Zeit um nach Krasnaya Polyana (Weites Tal in dem die Olympischen Winterspiele 2014 stadtfinden)zu fahren und uns dort mal umzusehen!

Wir kamen nach abenteuerlicher Fahrt mit dem Schiff endlich im Hafen von POTI in Georgien an um zu allererst Richtung TIFLIS (Hauptstadt von Georgien) zu fahren. Am Weg dorthin liegt das kleine Städtchen GORI in dem STALIN geboren wurde und dem zu Ehren ein großes Museum gebaut wurde. Über Stalins Geburtshaus wurde ein Marmorschrein gestellt – und um genug Platz zu haben für die ganze Museumsanlage wurde ein ganzer Stadtteil Goris geschliffen!
Unser Plan war es zuerst nach BAKU in Azerbaijan zu fahren – diese Träume wurden aber von den Grenzbeamten Azerbaijans zunichte gemacht! So hätten wir pro Motorrad eine  „Sicherheitsleistung“ von 10000 US Dollar hinterlegen sollen, die wir bei der Rückfahrt zum TAGESKURS wieder zurückbekommen würden! Dass dies KEIN WITZ war erklärte uns ein westlicher Geschäftsmann der schon eine Woche an der Grenze stand und nicht eingelassen wurde ohne vorher zu bezahlen. Es wurde uns aber erlaubt zurück nach Georgien über einen Teil Azerbaijans zu fahren der dort von Händlern und Schmugglern genutzt wurde. Dieses Angebot nahmen wir war und so konnten wir doch einige Bilder von diesem Land und seinen Menschen schießen. Also machten wir uns auf den Weg nach ARMENIEN.

07 95 Km Bis EREWAN


Der Grenzübertritt stellte kein Problem dar und so machten wir uns auf den Weg in den Süden des Landes. Um den wunderschönen SEWASEE herum in die Hauptstadt Armeniens nach JEREWAN. Es war wie immer in solch einfachen Ländern: Herrscht am Lande die pure Not so ist Jerewan selbst eine wunderschöne pulsierende Großstadt mit allen Vorzüge die jede andere westliche Stadt auch zu bieten hat.
Zurück in Georgien fuhren wir hinauf in den Kaukasus um die Bauernfamilie zu suchen die uns Jahre zuvor Quartier gegeben hatte und uns mit schier unglaublicher Gastfreundschaft überschüttete. Diese Familie war jedoch im Laufe der Jahre weiter hinauf in die Berge gezogen aber was einfach nicht zu glauben war: Jene Englischlehrerin die uns einstmals an diese Bauernfamilie verwies stand wieder vor uns und konnte sich an uns Motorradfahrer erinnern.
So befreite ich meine BMW von dem ca. 10kg schweren Sack den ich voller Geschenke von Österreich her mitgeschleppt habe! Die alte Dame versprach mir diesen Sack dem Bauern zukommen zu lassen – aber selbst wenn sie dies nicht getan haben sollte – diese Sachen haben auf alle Fälle die richtigen Menschen bekommen denen Luxus ein Fremdwort ist in dieser kargen Gegend. Die Straßen waren zwar perfekt zu befahren für eine Enduro, jedoch hatte Darko die allergrößten Schwierigkeiten seine FJ 1100 auf diesen steinigen Wegen nicht vollständig zu zerstören.

01 SEVANSEE In ARMENIEN
02 Berg ARARAT Von ARMENIEN Aus Gesehen
03 Hauptstrasse Von ARMENIEN Nach GEORGIEN
04 Grenzuebergang Nach GEORGIEN
05 Grenze Richtung Armenien
06 Grenze Richtung Georgien

Zurück führten uns der Weg über die Hafenstadt Batumi und nach ungefähr zwei Stunden Grenzformalitäten waren wir in HOPA angelangt – der nordöstlichsten Stadt der Türkei. Wir hatten bereits gute 10000 km hinter uns und da wir bereits zum x-ten Mal in der Türkei waren fühlten wir uns bereits wie zu Hause. Starke Unwetter begleiteten uns während wir an der Schwarzmeerküste entlang brausten und das Meer war dunkelbraun gefärbt. In Trabzon machten wir noch einen kleinen Abstecher von 100km um uns die in den Bergen gelegenen SUMAELA KLÖSTER anzusehen. Dieser Umweg lohnte sich auf alle Fälle – wir waren begeistert.

01 Im Kasbeg Wir Wissen Nicht Wohin
02 Wir  Finden Die ENGLISCHLEHRERIN
03 Georgien Richtung Meer
04 Grenzuebergang Von GEORGIEN In Die TUERKEI
05 Sumaela Kloster
06 Unwetter An Der Schwarzmeerkueste

Nach vier Wochen und 14000km mehr am Tacho erreichte ich glücklich und zufrieden unser wunderschönes Innsbruck – um natürlich zu allererst die Stammkneipe meines Vertrauens die Harlybar aufzusuchen und meinen Bekannten und Freunden mitzuteilen: "Seht her, alles gut gegangen, nix passiert – und ich habe großen Durst!"