2008 Sibirien

Auf dieser Reise haben wir in 5 Wochen 19000 km runtergespult!

Ein befreundetes Ehepaar aus Völs (Andrea und Thomas Vitroler) begleiteten uns bis nach Moskau - mussten dort jedoch leider wegen Zeitmangels wieder umdrehen und nach Hause fahren!
Doch der Reihe nach. An einem langen Winterabend - und beim Durchblättern von meinem Atlas sagte ich zu meiner Frau Helga: "Weißt du was, wir fahren heuer im Urlaub nach SIBIRIEN!"

 

Whow - die Idee war geboren! Dort waren wir noch nicht und unser Ziel der Reise war der Baikalsee, der der größte Süsswassersee der Erde ist! Wir wussten dass dies wieder ein langer Weg werden würde und so begannen wir im Frühjahr 2008 die Reise zu planen. Bei ein paar Bierchen mit unseren Freunden aus Völs - eben der Andrea und dem Thomas - wurde klar - die beiden fahren bis Moskau mit! Juhuu - der Tom beherrscht seine 1200GS/A sehr gut, meine Frau versteht sich mit der seinen sehr gut - das würde ein Spaß werden!

Route Sibirien

Übliches Szenario wie vor jeder Reise: Visa organisieren (für Russlandvisa natürlich wieder die notwendige Einladung besorgen), Motorradl richten (einige Tage zuvor verabschiedete sich meine Kupplung bei km135000) außerdem war unser Plan auf der Retourfahrt durch Kasachstan zu fahren und deshalb wurde auch dieses Visa besorgt!
Wir wussten dass wir zu einer sehr späten Jahreszeit wegfahren würden doch es war uns aus beruflichen Gründen einfach nicht vorher möglich. Reisestart war Anfang September.

Wie vor jeder Reise riefen wir am Vorabend unseres Urlaubbeginns unsere Freunde und die Familie zusammen um in meiner Stammkneipe - die Harly Coffee Bar in Innsbruck - noch einmal anständig Abschied zu feiern. Der Kater am nächsten Tag war auszuhalten und dann gings endlich los.

Nachdem wir die erste Nacht in Tschechien verbrachten war das Ziel der zweiten Nacht das Anwesen meines Motorradfreundes Pawell der in Polen ca. 20km vor Warschau lebt. Dort angekommen wurden wir fürstlich bewirtet und die ca. 800 heruntergespulten Kilometer zeigten ihre Wirkung in unserem allgemeinen Schnarchkonziert.Wir schliefen himmlisch! Tags drauf Besichtigung der Warschauer Altstadt (Stare Mesto) und der weitere Weg führte uns nach Weißrussland wo wir uns im Freien - umringt von unseren Motorrädern - einen Schlafplatz einrichteten. Gestört wurde diese Idylle lediglich vom einsetzenden Regen um ca. drei Uhr morgens! Schnell schnell zusammenpacken - nein - zuerst anziehen - wo sind meine Socken - meine Schuhe??
Chaos ! Naja, wir waren dann doch recht schnell fahrbereit uns stellten uns bis das gröbste vorüber war unter das Dach der Tankstelle um im Morgengrauen die Russische Grenze zu übertreten. Dadurch dass wir bereits über Weißrussland eingereist sind entfielen sämtliche lästige Kontrollen! Stempel in den Pass und wir fuhren nach MOSKAU.

Es war nicht schwierig zu erraten wie weit man vom Zentrum entfernt war - mit jedem Kilometer Richtung Zentrum wuchs die Dichte des Verkehrs. Moskau - eine Millionenstadt - modern, expandierend - faszinierend! Aufgefallen sind uns vorerst mal die vielen McDonald`s, dann machten wir uns auf die Suche nach einer Bleibe. Dies ist mitten in Moskau nicht so wirklich leicht wenn man darauf bedacht ist möglichst kostengünstig durchzukommen. Nun - es war unsere letzte Nacht zu viert und so beschlossen wir ein Hotel zu beziehen das auch die in Russland vorgeschriebene Registrierung für uns vornahm. Noch einmal mächtig Abendessen, einige Bierchen dazu und schweren Herzens trennten sich am nächsten Morgen unsere Wege.
Der Tom beschloss auf der Retourfahrt übers Baltikum zurückzufahren und ich machte mich mit meiner Helga auf in Richtung SIBIRIEN!

01 Schlafen In Weissrussland
02 Vor Moskau
03 Kremel
04 Kremel

Alle ca. 100km ostwärts von Moskau hatten wir das Gefühl dass es einen Grad kälter werden würde. Hatte es am Vortag bei Minsk noch gut 30 Grad plus so pendelten wir uns bei zwei bis vier Grad PLUS ein. MAXIMAL 5 Grad - immerhin PLUS !
Nicht genug dass dies eine ziemlich erfrischende Reisetemperatur ist , nein, in Novosibirsk begann es auch noch zu schneien !! Auszuhalten war dieser Zustand maximal da wir wussten dass unser nächstes Nachtquartier bereits vorbereitet wurde!
Was war geschehen?!

Ca. 500km östlich von Moskau - es hatte natürlich geregnet und ich war "ziemlich flott" unterwegs vernahm ich hinter mir wildes Gehupe und beim Spiegelblick sah ich dann auch noch wildes Auf-und Abblenden des hinter mir fahrenden Autos. Auwei – das muss die Polizei sein - ich war ja viel zu schnell unterwegs und wer sonst sollte mich denn hier anhalten wollen??

So blieb ich am Straßenrand stehen - das hinter mir fahrende Auto auch - und ausgestiegen kamen 4 Leute von denen mir der Fahrer - klein - korpulent - mit Glatze - seine Bikerkutte entgegenstreckte! Überschäumend vor Freude ausländische Biker getroffen zu haben erklärte mir dieser Kerl dass er der PRÄSIDENT des MC TOTENKOPF THYMIN sei und wir doch seine Gäste sein sollten - denn bei diesen Temperaturen Motorrad zu  fahren sei doch sicherlich nicht allzu angehehm.
Naja...ich sagte erst mal zu und bei der Frage wie weit es denn zu ihm nach Hause sei um uns aufzuwärmen meinte er nur: "Nicht weit - bloß 300km!!!"
Von da weg waren wir fast täglich regelrecht sprach- und fassungslos! Drei Tage genossen wir die Gastfreundschaft dieses Bikers und seiner Freunde und von OMSK weg wurden alle 500km bis 600 km Motorradklubs rekrutiert die uns jeweils am Orts- bzw. Stadtbeginn erwarteten, verpflegten und uns Quartier gaben. Diese Gastfreundschaft hatten wir nicht erwartet! Berühmtheit erlangten wir lediglich dadurch indem sich bei den Jungs und Mädls sehr bald herumsprach: "Da kommen die zwei Österreicher DIE KEINEN VODKA VERTRAGEN!"

01 Weg Nach OMSK
02 Bikerpraesident
03 Franz Biker Auf Der Heimfahrt
04 Statussymbol Im Haus Des Gastgebers

Die Straßen nach IRKUTSK waren zeitweilig katastrophal und gelegentlich dachte ich sogar daran umzukehren! 

 



 

In Irkutsk wurden wir in einem "Bikeraufanglager" einquartiert - ein Fest wegen des Saisonschlusses und wegen unseren Erscheinens wurde gegeben, Livekonzert mit Blues und Rock an Roll, Alkohol floss in rauen Mengen!

 



 

Es war kaum zu glauben aber wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt etwa 8000km weit weg von zuhause. Unsere dort gewonnenen Freunde Sergej und Galina machten uns den Tourguide und fuhren mit ihrer 1800er Gold Wing vor um uns Irkutsk zu zeigen. Auch brachten sie uns zu unserem am weitest entfernten Ziel unserer diesjährigen Reise - zum Baikalsee. Der kleine Fremdenverkehrsort - Listvianka - zeigte sich von seiner schönsten Seite! Sonnenschein, plus 6 Grad - wir genossen den dort vorkommenden Fisch namens OMUL - mit einem Schlückchen Bier und mehreren Schlucks VODKA.

01 Sibirische Weite
02 Vor Irkutsk
03 Bikerfreund In Irkutsk
04 Baikalsee
05 Am Baikal

Die schönste Zeit ging auch für uns zu Ende und wir mussten uns Gedanken machen über welche Strecke wir denn wieder zurück Richtung Österreich fahren würden. Geplant war über Kasachstan - ein Bikerklub in ASTANA hätte uns bereits erwartet - da kam der Anruf: Keine Möglichkeit mehr mit dem Motorrad über die Kasachischen Berge zu gelangen, da es Minimum 30 cm geschneit hatte.
Was jetzt ?! Wir entschlossen uns von IRKUTSK aus mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Moskau zurückzufahren. Das machten wir auch nach einem bewegenden Abschiedsfest bei unseren neu gewonnen Freunden. Drei Tage und Nächte dauerte es bis wir im Bahnhof von Moskau eingetroffen sind. Der Umstand dass wir ja nun ausgeruht waren und sogar Zeit gewonnen haben veranlasste uns dazu von Moskau weiter nach St.Petersburg und nach FINNLAND - am selben Abend noch mit der Fähre von Helsinki nach Tallin in ESTLAND zu fahren.

01 Biker Aus Ostsibirien
02 St Petersburg

In Estland umrundeten wir noch die Inseln Muhu und Saaremaa und da das Wetter nicht so besonders war fuhren wir über LETTLAND, LITAUEN nach POLEN um in weiterer Folge über TSCHECHIEN nach Oberösterreich zu fahren wo sich meine Eltern schon auf unsere Ankunft freuten.
Mächtig duschen, tüchtig essen und trinken, ununterbrochen Reisegeschichten erzählen - das war der entspannende Vorabend bevor wir am darauf folgenden Tag wieder in unser schönes Tirol mit Ziel HARLYBAR (Tradition muss sein!) anvisierten.