2004 Seidenstraße

Mit einem langjährigen Bekannten und sehr routinierten Biker aus Kroatien (Darko Labas`) und einem ebenso guten wie routinierten Motorradfahrer aus meiner Heimat (Martin Steixner) beschloss ich einen meiner Lebensträume zu verwirklichen – und zwar – mit meinem eigenen Motorrad (BMW GS 1150) die Seidenstraße zu bereisen !

Nun ist die besagte Seidenstraße ja keine Einbahnstraße, nein sie war ein Netzwerk von Karawanenwegen um den Handel  zwischen Orient und Okzident zu ermöglichen! Eine der bekanntesten Persönlichkeiten die die Karawanenwege von West nach Ost bereiste um bis nach CHINA zu gelangen war der venezianische Kaufmann Marko Polo.



Nun – Route berechnen – wie viele Tage würden wir wohl für unser Vorhaben benötigen, Visa besorgen (Einladungsservice für Russlandvisa), Formalitäten (Visa, Tour Guide) für Turkmenistan, Carnet de Passage für den Iran, und nicht zu vergessen: Motorrad in Bestverfassung bringen!
Ca. drei Monate dauerte es bis sämtliche Papiere beisammen waren und dann konnte unser Abenteuer beginnen!

Von Österreich über: Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Moldawien, Ukraine, Russland, Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Iran, Türkei, Bulgarien, Serbien, Bosnien, Kroatien, Slowenien, Italien und wieder nach Hause nach Innsbruck – führte unsere Route.

Route Seidenstrasse

4 Wochen  -  16000 km  -  16 Länder  -  für die Statistiker  Wink   !

Das Hauptziel unserer Reise war das in Usbekistan gelegene SAMARQUAND, das  im Mittelalter angeblich die schönste Stadt der Welt war!
Die Europäischen Länder durchquerten wir im Eiltempo und nachdem wir sämtliche Unannehmlichkeiten mit der Moldawischen Exekutive bereinigt hatten (wir bezahlten für alle möglichen und unmöglichen  „ Vergehen“)  kamen wir endlich in die Ukraine. Alles schnell durchqueren – unser Ziel liegt noch tausende Kilometer weiter im Osten! In Russland lag Wolgograd genau auf unserer Route und da mussten wir schon einige Stunden opfern um uns das dort entstandene – riesige und eindrucksvolle – Kriegerdenkmal anzusehen. Tausende Soldaten starben im 2. Weltkrieg in dieser Region (damaliges Stalingrad)und genau so dramatisch und ergreifend waren unsere Gefühle beim durchqueren des riesigen Parks auf dessen höchsten Punkt das Wahrzeichen Wolgograds  - Mutter Heimat ruft (85 m hoch). Noch immer die gewaltigen Eindrücke verarbeitend erreichten wir dann endlich die Grenze zu KASACHSTAN!

An der Grenze wurden wir von einem Zöllner im breiten deutschen Dialekt empfangen, er hatte zu DDR-Zeiten auf deutschem Boden seinen Dienst versehen und arbeitet nun beinah am Ende der Welt – eben an diesem Grenzübergang – als Zöllner. Er hatte uns gewarnt – wir wollten es nicht glauben: -es folgten ca. 4000 km katastrophale  Piste die wir mit unseren schwer beladenen Bikes nur mit ach und krach bewältigen konnten! Unasphaltierte Lehmpisten, alle ca. 500 km eine sogenannte Raststation incl. Spritversorgungsstation, so passierten wir den fast ausgetrockneten Aralsee. So karg die Landschaft auch war – die Menschen die wir kennenlernen durften waren an Gastfreundlichkeit kaum zu übertreffen! Endlich erreichten wir die Grenze nach Usbekistan. Wir besuchten den riesigen Markt von Taschkent und fühlten uns bereits hier um 100e Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt.

01 Wolgograd Kriegerdenkmal
02 Strasse Kasachstan
03 Kasachstan Hauptstrasse
04 Lebenszeichen In Kasachstan
05 Usbekistan

Als wir jedoch nach SAMARQUAND gelangten ging für uns ein Traum in Erfüllung! Riesige Paläste von TIMOR dem Großen errichtet, ragten uns entgegen . Wir quartierten uns im Zentrum von Samarquand ein und besichtigten die kommenden drei Tage die Stadt so gut es nur ging!  Große Minarette, der berühmte Registan Palast, das Grab AMIR TIMORS und viele andere Sehenswürdigkeiten fingen wir mit unseren Kameras ein.
Eine Anekdote am Rande: Von Amir Temur wird berichtet dass er sich am Vormittag der Muse und den Künsten hingab und am Nachmittag Krieg führte! So  kidnappte er überall Bauherren, Künstler, Intellektuelle …und ließ sie für sich arbeiten um SAMARQUAND zum Mittelpunkt der damaligen Welt erstrahlen zu lassen. Der Große Timor beherrschte zu seiner Zeit den ganzen asiatischen Raum und sogar in Frankreich steht ein Museum das seiner Taten würdigt!

01 Samarquand Schoenste Stadt Des Mittelalters
02 An Der Turkmenischen Grenze
03 Asgabat Hauptstadt Turkmenistans

Von Benzinknappheit in Usbekistan geplagt kämpften wir uns durch nach TURKMENISTAN an dessen Grenze erst einmal Schluss mit lustig war! Unsere Visabeschaffungsstelle in Ashghabat  (Hauptstadt Turkmenistans)  wusste nicht an welchem Tag wir an welchem Grenzübergang erscheinen würden und so waren wir gezwungen vier Tage und vier Nächte vor dem Grenzübergang auf der Straße zu übernachten! Endlich war es soweit und unser Guide erschien mit einem Klapperauto und half uns die Grenze zu überqueren. -Ein kleines Zettelchen fehlte bei unseren Unterlagen, ohne diesem es uns vorerst nicht möglich war die Grenze zu passieren! Aber nicht nur uns erging es so – nein – zwei türkische LKW Fahrer standen schon eine Woche vor dem verschlossenen Grenzbalken. Diese Türken retteten uns buchstäblich vor dem Verhungern indem sie uns von ihrem Essen immer wieder etwas abgaben!

Endlich erreichten wir die Turkmenische Hauptstadt Ashghabat und konnten die unglaublichen Bauwerke des damals noch lebenden Staatsführers und Diktators fotografieren! So ziert zum Beispiel den Hauptplatz eine goldene Büste des selbsternannten Sonnenkönigs die sich den ganzen Tag lang mit dem Gesicht der Sonne zuwendet!

Weiter ging es Richtung IRAN.  Auf keiner Grenze wurden wir so kontrolliert wie dort – dem Grenzer war einfach langweilig und er wollte wissen was denn diese “Verrückten“ so alles mitschleppen würden. Naja, auch dies war von uns überstanden und nachdem wir erst spät abends in den Iran eingereist sind, nächtigten wir einfach an einem kleinen Flüsschen. Wir fühlten schon dass es am Abend einwenig kühl war – aber das Aufstehen am frühen Morgen hatte es in sich! Unsere Schlafsäcke waren von einer dicken Eisschicht überzogen, unsere Schuhe tiefgefroren, und unsere Nasen und Ohren eiskalt und knallrot! Wir schliefen auf den Ausläufern des Elbrusgebirges  und befanden uns auf ca. 2200m Seehöhe! Also – auftauen, zusammenpacken und weiter nach Teheran. Großstadt mit Mörderverkehr-,  Fotoshooting und weiter ging unsere Reise über TABRIS und infolge weiter Richtung türkische Grenze.

01 Mitten Im Iran
02 Berg Ararat Vom Iran Aus Gesehen
03 Berg Ararat Aus Der Tuerkei Gesehen
04 Blick Auf Isak Pasha Sarayi

Bazargan heißt dieser Grenzübergang zwischen TÜRKEI und dem IRAN von dem man den Berg Ararat sehen kann. Wir fuhren in die Türkei hinein um nach einigen Kilometern scharf links nach Dogobayazit abzubiegen. Hinauf zum Isak Pasha Sarayi – einer Mischung aus Festung und orientalischem Lustschloss .
Von der Terrasse des darüber gelegenen Restaurants erfreuten wir uns bei einigen Bierchen (die ersten seit 2 ½  Wochen) eines gigantischen Ausblickes auf das ostanatolischen Hochland! Bereits zum 18.mal bereiste ich diesmal die Türkei und so waren wir bereits schon fast zu Hause.

Zweimal Radarstrafe bezahlen in der Türkei, einige Chai (Türk. Tee) genossen, einige Pivo am Balkan getrunken, ein paar Mal die Gänge rauf und runter geschalten und wir waren wieder daheim in unserem wunderschönen Österreich!